Garten, Unterwegs
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Gartenreise im Winter nach Belgien: Hamamelis

Eigentlich müsste ich heute Steuer machen, aber viel lieber erzähle ich von meiner wunderbaren Gartenreise zu den Hamamelis nach Belgien. Was? Mitten im Winter? Das ist ja schräg! Zu der Zeit gibt es ja nix zu sehen… Weit gefehlt! Drei Schwerpunkte hatten wir für die Tour vom 16. bis 19.2.: Hamamelis (Zaubernuss), Helleborus (Christ- oder Lenzrose) und Galanthus (Schneeglöckchen). Alle drei gehören zu den wenigen Winterblühern, die zu einer Zeit Farbe in den Garten bringen, zu der die meisten Menschen die Natur gar nicht im Blick haben. Alle drei sind zu unserer Hauptvegetationszeit eher unauffällig oder haben bereits eingezogen.

 

Verschiedene Hamamelis (Arboretum Kalmthout)

Ich war unterwegs mit der Fachgruppe Helleborus der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. (GdS), die Reise wurde organisiert vom Fachgruppenmitglied Birgit Fellecke, die mit ihrer Firma Gartenpfade auch andere Gartenreisen macht. Wer nun glaubt, dass „Fachgruppe“ bedeutet, dass nur absolute Profis dabei sind, liegt falsch. Es sind viele Fachleute und Pflanzenfans dabei, aber auch Menschen, die einfach nur Staudenliebhaber sind und großes Interesse am Fachgruppenthema haben. Ein Fachgruppenmitglied vermehrt gezielt Helleboren im eigenen Garten und kennt sich sehr gut aus – sie hat uns in einem Vortrag wichtige Details nahe gebracht. Ansonsten wird gefachsimpelt, gelacht und gemeinsam nach tollen Pflanzen gejagt. Aber immer der Reihe nach!

Hamamelis bei De Belder

Jelena De Belder ist über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt – als guter Geist des Arboretum Kalmthout im Norden Belgiens. Sie war 1954 als Studentin nach Belgien gekommen und hatte dort Robert De Belder kennen und lieben gelernt. Hemelrijk ist ihr privater Park, dazu haben die Brüder De Belder später das Arboretum in Kalmthout gekauft – bis dahin eine Gärtnerei – und haben dort einen Sammlergarten eingerichtet, der bald über die Grenzen hinaus für seine exquisiten Pflanzen berühmt wurde. Ganz besonders hervorragend ist die Hamamelis-Sammlung, die Jelena De Belder durch gezieltes Züchten ausgebaut hat. Heute wird das Arboretum Kalmthout von der Provinz Antwerpen betrieben, es ist das internationale Stelle für die Registrierung und Dokumentation von Hamamelis. 
 

Hamamelis Aurora (Arboretum Kalmthout)

Wir hatten die einmalige Gelegenheit, einen kleinen Teil des Hemelrijks zu sehen. Im Park wurden wir durch den Teil geführt, in dem im lichten Wald die Hamamelis teilweise dicht an dicht stehen. Und wo der Boden mit großen Rhododendronbüschen bedeckt ist. Der Boden ist humos und leicht sauer, also optimale Bedingungen. Fotos sind nur zum privaten Gebrauch erlaubt, da auch die Kinder dort auf dem Gelände leben, also zeige ich hier selbstverständlich nichts. 
 
Alle Fotos sind im Arboretum Kalmthout entstanden, wo die Hamamelis ebenfalls in Hülle und Fülle blühen. Dort steht die größte Sammlung Europas! Der Hamamelis-Pfad führt einen zu den schönsten und größten Exemplaren, die auch gleichzeitig zu den ältesten in Europa gehören. Mir wurde klar, dass das Alter bei Hamamelis entscheidend ist, denn es gibt dem Gehölz erst seinen Charakter. 
 

Hamamelis-Pfad (Arboretum Kalmthout)

Der unterschätzte Strauch

Der Strauch, der erst in vielen Jahren zu einem ausladenden Gehölz heran wächst, blüht von Januar bis März – dann, wenn es in unseren Wäldern noch nichts gibt und gerade mal die ersten Schneeglöckchen aus dem Boden schauen. Die Blüten haben merkwürdig schmale, mehr oder weniger gekringelte Blütenblätter, die sich unordentlich um die Narbe anordnen. Als Fotograf ist das fürchterlich, worauf soll man denn in dem Gekrissel scharf stellen? Das Blütenmeer ergibt aber eine wundervolle zarte Farbwolke, die im Einheitsgraubraun der winterlichen Natur fantastisch leuchtet. Und das auch bei Nieselregen. Hamamelis blühen in vielen Schattierungen von hellgelb bis dunkelpink.
 

Hamamelis in gelb (Arboretum Kalmthout)

Die heute viel gekreuzten Sorten sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Wildarten, daher heißen sie botanisch einfach x intermedia – versehen mit mehr oder weniger sprechenden Sortennamen. Jelena de Belder hat beispielweise Sorten nach allen Kindern und Enkeln benannt. Pallida ist da schon sprechender: natürlich eine Sorte mit blassgelben Blüten.

Für große Gärten

Erst nach der Blüte treibt das Laub aus. Die Blätter sind ähnlich wie Haselnuss, also rundlich und leicht pelzig. Lediglich im Herbst fahren einige Sorten eine leuchtende Herbstfärbung auf. Aber die für mich etwas langweiligen und recht großen Blätter sind der Grund, weshalb ich mit den Hamamelis bisher nicht so recht warm geworden bin. Für einen kleinen Garten halte ich sie für weniger geeignet, denn meiner Meinung nach wirkt die Blüte erst in großer Masse und großer Tiefe. In den seltensten Fällen hat die Hamamelis in einem Hausgarten so viel Platz, dass sie ausladend genug wächst, um eine solche Blütenwolke zu bilden. Und in den seltensten Fällen hat sie so viele Jahre Zeit, sich zu entwickeln, wie sie braucht. So wirkt die Blüte meist etwas verloren und der fantastische Duft kommt nicht richtig zu Geltung, der einen bei großen Exemplaren richtiggehend einhüllt.
 

Ein altes Prachtexemplar von Hamamelis pallida im Arboretum Kalmthout

 
Im Hemelrijk waren die Hamamelis konsequent im lichten Wald gepflanzt. So erstreckt sich im Sommer über sie ein Blätterdach von Buchen und Eichen. Ähnlich ist auch im Arboretum Kalmthout gepflanzt, das auf 12,5 Hektar auch außerhalb der Hamamelisblüte interessante Gehölze und auch Stauden zeigt.
 
 
 
 

10 Kommentare

  1. Susanne Schleuter sagt

    Du hast wieder tolle Bilder eingefangen. Herrlich. Das Moos auf dem Ast gefällt mir sehr gut. Der Rest natürlich auch.

  2. Sabine Pecoraro-Schneider sagt

    Mir war gar nicht bewusst, dass Hamamelis erst im Alter diese Wirkung zeigen. Ich habe immer schon damit geliebäugelt, aber leider keinen Platz mehr 🙂

  3. Pingback: Gartenreise im Winter nach Belgien: Helleborus - Schärfentiefe

  4. Pingback: Gartenreise nach Belgien: Galanthus - Schärfentiefe

  5. Jutta Heußlein sagt

    Wunderbar geschrieben, hinreißende Fotos – kurz gesagt ein Genuß!
    Ich konnte nicht widerstehen und habe in Kalmthout eine kleine Hamamelis „Westerstede“ erstanden. Diese Sorte soll nicht so übermäßig ausladend wachsen, und wenn es irgendwann doch zu eng wird, muß die in der Nähe stehende Fichte zu gegebener Zeit weichen. Sofern ich das noch erleben werde… Jedenfalls wird sie bald meinen „Triple-H-Border“ mit Helleboren, Heuchera & Hosta zieren.

  6. Bernd sagt

    Wunderschöne Bilder, Sylvia! Und auch interessante Informationen zu den Hamamelis Sträuchern – ich kann die Sträucher eigentlich bisher nur primär aufgrund der Heilwirkungen der Blüten (http://hamamelis.info/heilwirkung/) bzw. aus dem Reformhaus, wo ich die Blütenblätter ab und zu gesehen habe. Müsste es aber nicht auch möglich sein, die Sträucher im Garten zu pflanzen zu haben und regelmäßig wieder zu trimmen, sodass diese nicht zu ausladend werden?

    • Danke, Bernd! Natürlich kannst Du Hamamelis im Garten pflanzen, ich habe das auch schon oft gesehen. Nur hat es mir nie so recht gefallen, da ich die Sträucher, gerade wenn sie gekappt werden, immer etwas gakelig fand. Erst auf der Reise habe ich gesehen, wie schön sie sein können, wenn sie Platz haben, ausladend in die Waagerechte zu wachsen – da entfalten sie einen Charakter, der mich begeistert hat. Die Blüte an sich ist nämlich auch eher zart und wirkt erst in der Masse. Gerade unter großen Bäumen erzeugt das eine verwunschene Atmosphäre. Und das kann ich im Garten nicht schaffen – zumindest nicht in meinem kleinen 😉

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