Garten und Natur
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Remstalgartenschau in der Morgensonne

Remstalgartenschau Böbingen Achnatherum

Von der Remstalgartenschau in diesem Jahr habe ich nicht viel gesehen. Dabei ist es nur um die Ecke! Aber manchmal klappt genau das Naheliegendste nicht. Zu guter Letzt habe ich es doch noch nach Böbingen geschafft. Dort hat Joachim Hegmann, den ich über verschiedene Gartengruppen und Veranstaltungen kenne und schätze, zusammen mit der Landschaftsarchitektin Rita Walpurgis entlang des Klotzbachs eine Reihe von naturnahen Beeten angelegt. Und da das Wetter am vergangenen Wochenende noch tauglich war, habe ich mich aufgerafft. 

Sonnenaufgang im Beet

Mein Plan war, den Sonnenaufgang weiter oben auf der Schwäbischen Alb zu erleben und dann immer noch zur Morgensonne zum Gelände der Remstalgartenschau nach Böbingen zu fahren. Grundsätzlich gut, aber als ich dort oben war, zeichnete sich ab, dass das Licht zum Sonnenaufgang farblos hart werden würde. So brach ich ab und kam daher zeitig in Böbingen an. Das war gut so, die aufgehende Sonne brachte die Beete zum Leuchten, überall hing der Tau, wenngleich ich beim Vorüberfahren in der Früh keinen Nebel gesehen hatte.

Remstalgartenschau Böbingen

Polygonum im Morgenlicht

Die Tautropfen verzauberten die Fotos mit Perlenletten und glitzernden Reflektionen. Die schräg stehende Sonne schuf ein Licht-und Schattenmuster, das stetig wechselte. Durch den starken Regen der vergangenen Tage waren einige der Stauden ins Kippen gekommen oder neigten sich deutlich zur Seite, was die Ensembles auf eine originelle Art bereicherte. Etwas mehr Wildnis als streng gekämmt liegt mir sowieso sehr. So entstanden Aufnahmen, die weniger die Beete zeigen, als die raffinierten Pflanzkombinationen und die Kontraste in Strukturen, im Werden und Vergehen.

Zuerst lief ich bis ans Ende, dort schien mir das Licht- und Schattenspiel in diesem Moment am schönsten. Dann ging es vor und wieder zurück, dem wechselnden Licht folgend, bis es vorbei war und einfach nur noch die Sonne herunterknallte. 

Das Deschampsia-Beet

Auf Wolken von Gräsern schweben Echinops-Bälle, Rudbeckien, Vernonien, Sanguisorba-Schwänzchen und längst vertrocknete große Doldenblütler. Deschampsia sind dermaßen dankbare Gräser, sie blühen früh, die silbrige Wolke bleibt aber bis in den Winter stehen. Siehe auch das Titelbild. Dazwischen fangen die plüschigen Federn von Achnatherum brachytrichium das Morgenlicht ein und ein paar aufrechte Soldaten von Calamagrostis acutiflora „Karl Foerster“ setzen Akzente.

Remstalgartenschau

Achnatherum-Wolke mit Allium-Paukenschlegel

Sie bilden die Bühne für eine Flut von dunkellila Astern, weißen Aster divaricatus mit ihrem rötlichen Laub, Flächen von Sedum und weißem und rotem Polygonum. Längst verblüht aber dennoch attraktiv stehen die straffen Kerzen der Agastache, umspielt von einem Gitter von zarten blauen Knöpfen. Rotlaubige Cornus harmonieren perfekt mit den Samenständen und dem schönen Laub der Maclaeya.

Remstalgartenschau Böbingen Maclaeya

Maclaeya spielt mit Cornus

Dieses Beet ist sicherlich ein Höhepunkt der Remstalgartenschau. Hier noch ein Bilderbogen mit weiteren Impressionen. Ich konnte mich gar nicht entscheiden bei der Vielzahl von höchst unterschiedlichen Lichtsituationen.

Die Bachufer-Wiese

Wie gigantische Sprudel ragen Molinia-Graser straff in die Höhe. Hier wachsen bunte Astern, die zusammen mit den Dolden von Cortia wallichiana flächige Sträuße ergeben und sich in die harfengleichen Stängel der Molinia weben. 

Remstalgartenschau Böbingen

Harfen von Molinia zwischen Astern und Cortia 

Leuchtend gelber Hintergrund ist das wunderbare gelbe Laub der Thalictrum – ich vermute mal „Elin“ von der Größe her. Elfenbeinfarbige Wolken von Artemisia lactiflora kontrastieren zu den längst braun gewordenen Blütenständen einer Sanguisorba oder Rudbeckia nitida.

Remstalgartenschau Böbingen Sanguisorba

Längst verblüht heben sich die Sanguisorba ab vor dem Elfenbein der Artemisia

Alles hat eine ungeheure Größe erreicht, bis auf die Stauden, die wohl auf die gute Düngung nicht so reagierten oder länger zur Entwicklung benötigenden, wie die Amsonien, Bistorta und interessanterweise auch die sonst gern so übermächtigen Anemone japonica sind vergleichsweise klein geblieben und gehen im grandiosen Gewimmel fast unter. Die kleine Drift mit den sichelförmigen Amsonia-Blättern ist mit ihrem Sattgrün geradezu beruhigend im Durcheinander und hier entfaltet sich sicherlich in den nächsten Wochen ein gelbes Feuerwerk.

Remstalgartenschau Böbingen Cortia und Astern

Wie ein Blumenstrauß

Die lanzenförmigen Blüten des Polygonum bistorta in Farben von weiß über rosa bis dunkelrot passen sehr gut zu den wunderschönen flachen Tellern der Cortia. Auch hier funktioniert das Prinzip von  sich ergänzenden oder kontrastierenden Strukturen. 

Auch hier habe ich eine kleine Galerie zusammengestellt, weil es so viele wunderbare Kombinationen und Sichten gibt.

Das Saat-Beet

Hier finden sich ausgesäte einjährige und auch ausdauernde Pflanzen in einem wilden Durcheinander. Es sind viele Bekannte dabei, aber auch ein paar echte Preziosen zu entdecken. Tagetes mit winzigen Knöpfchen, zauberhafte Lippenblütler und einjähriger Lein, zart mit Tautropfen überglitzert.

Remstalgartenschau Böbingen Wildblumen

Tau auf den Wildblumen

Iris-Taglilien-Beet

Von den namengebenden Pflanzen war lediglich noch eine Hemerocallis-Knospe am Aufblühen. Dafür wird das Beet nun von den Astern beherrscht, dazwischen die zarten gelben Rispen einer schlanken Solidago-Art. Die skurril verdrehten braun gewordenen Blütenstände des Digitalis ferruginea setzen Akzente. Zu diesem Beet, an dem ich am Anfang rasch vorbeigelaufen war, kam ich erst ganz zum Schluss. Da war die Sonne schon sehr hoch und ich schon etwas erschöpft und frühstücksreif und verließ den Teil Remstalgartenschau für ein Frühstück bei meinen Eltern. 

Die Beete in Böbingen bleiben auch über die Remstalgartenschau hinaus bestehen und es bleibt spannend, wie sich die Pflanzen und die Kombinationen in den kommenden Jahren entwickeln werden. 

Im vergangenen Jahr habe ich auch über ein paar Oktobergärten berichtet, aber da war die Lage eine ganz andere, der Sommer war sehr trocken und der Herbst anfangs sehr sonnig und warm. Hier ist der Garten von Heike und hier der von Sabine und Reinhard.

2 Kommentare

  1. Sabine Pecoraro-Schneider sagt

    Deine Spaziergänge sind unsagbar schön!
    Ein Hochgenuss die Fotos anzuschauen!

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