Baden-Württemberg
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Milchstraße und Meteoriten auf der Schwäbischen Alb fotografieren

Milchstraße, Mars und Meteoriten

Endlich haben Jürgen und ich es mal wieder hinbekommen, dass wir zusammen Milchstraße fotografieren gehen. Vorgestern Abend war dann also der lange ins Auge gefasste Termin und zu unserem Glück war auch das Wetter gut – nicht immer selbstverständlich bei Neumond.

Und zu unserem noch größeren Glück waren an diesem Wochenende die Perseiden auf dem Höhepunkt. Die Perseiden sind ein Meteorschauer, der jährlich um dieselbe Zeit wiederkehrt (oder sollte ich sagen: Die Erde ist jedes Jahr wieder in der Nähe) und bei dem man richtig viele Sternschnuppen sehen kann. Der Ursprung von der Erde aus gesehen ist im Sternbild Perseus, daher der Name. Am dunklen Neumondhimmel lassen sie sich noch besser sehen. Also war die Aufgabenstellung klar und anspruchsvoll. Zudem war der Mars sichtbar – alles zusammen zeigt das Titelbild.

Vertikales Panorama der Milchstraße

Vertikales Panorama

Milchstraße auf der Schwäbischen Alb

Diesmal haben wir einen neuen Platz ausgesucht. Auch das erwies sich als Herausforderung. Wir wollten nicht so weit fahren und haben uns daher in der Nähe umgeschaut. Seit einigen Jahren gibt es auf der Schwäbischen Alb eine Initiative, die den dunkeln Himmel bewahren will. Sie bewegen sogar Gemeinden dazu, nachts das Licht abzustellen. Wer mehr wissen will: https://www.sternenpark-schwaebische-alb.de

Besonders interessant ist es am ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Der Platz ist recht groß, so bietet sich die Nordseite an für eine Fotografie der Milchstraße Richtung Süden an, da es dort sehr wenig Lichtverschmutzung gibt. Also fuhren wir diese Ecke an – allerdings war nicht zu erkennen gewesen, welche Straßen frei sind und welche versperrt. Nach einer kleinen Runde landeten wir schließlich am Sternguckerplatz der Initiative südlich von Zainingen. 

Beladen mit Stativen, Kameras, Essen, warmen Klamotten und Klappstühlen zuckelten wir den Weg entlang und stiegen auf den Berg hinauf. Dort, wo ich ursprünglich hinwollte, war der Weg gesperrt. Es erschien und besser, den Warnhinweisen zu Munition und Kampfmitteln Folge zu leisten, anstatt doch einfach den Weg zu nehmen, auf dem sichtlich schon verschiedenste Fahrzeuge unterwegs gewesen waren. Gut, wir hatten ja noch Optionen und außerdem Zeit, denn wir waren frühzeitig da. 

„Fucking Zaun“

Nächste Abbiegung: Turm Waldgreut. Bis zum Turm ging es, danach war alles eingezäunt. Der Turm war verschlossen, aber sowieso für Langzeitbelichtungen keine Option. Also wieder zurück und zur nächsten Abzweigung. Dasselbe Spiel wie vorher… Weiter wollten wir nicht gehen, denn es ging wieder den Berg hinunter – ein ganz schlechter Ausgangspunkt für Himmelsfotografie. Also wieder zurück. Auf dem Weg stellten wir fest, dass wir auch direkt vom dort aus fotografieren konnten. Also, geht doch! 

Wir hatten aber noch Zeit und beschlossen, am Turm zu vespern, dort gab es Bank und Tisch. Was war ich froh, das Zeug mal eine Weile abstellen zu können! Wir überlegten, ob die Stelle nicht doch gehen könnte, denn die geschwungene offene Landschaft war doch sehr schön. Aber die Idee verwarfen wir – um Jürgen zu zitieren: „Da ist der fucking Zaun im Weg!“ Wahrlich der Spruch des Abends.

Abenddämmerung hinter dem "fucking Zaun"

Abenddämmerung hinter dem „fucking Zaun“

Wir aßen gemütlich und quatschten miteinander, schauten zusammen in die mitgebrachten Fotobücher zu Sternenfotografie, und versuchten, die Kameras richtig einzustellen. Da tauchten zwei jüngere Männer auf. Wie sich herausstellte, war der eine ein Halbprofi-Fotograf mit Canon (aber gestern ohne Kamera) und der andere kam aus Waiblingen. Beide waren zum Wandern ein Wochenende mit dem Zelt unterwegs. Wen man so alles trifft im Halbdunkel auf der Schwäbischen Alb!

It’s time for timelapse

Dann war es Zeit, aufzubrechen und unsere Kameras ans Laufen zu bringen. Mars, Venus und Jupiter waren längst aufgegangen. Am Weg blieb ich stehen. Der weiße Kalkschotter leuchtete im letzten Dämmerungslicht und ich wollte versuchen, das einzufangen. Gar nicht so einfach! Wie erstaunlich hell doch so eine astronomische Dämmerung sein kann, wenn man lange genug belichtet.

Im allerletzten Tageslicht zur astronomischen Dämmerung

Im allerletzten Tageslicht zur astronomischen Dämmerung

Bis zum Platz war es nicht weit und ich installierte als erstes die Mk IV mit dem 15mm auf dem Stativ und begann mit der Timelapse. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass das die Kamera ganz alleine kann, und das sehr zuverlässig, lohnt es sich, Timelapses zu machen. Das Herumgeeiere mit irgendwelchen Fernbedienungen hat mir nie gefallen. Meine Einstellungen: 15mm, f2,8, ISO 5000, 13 Sekunden, dann 20 Sek Pause.

Die andere Kamera war für weitere Aufnahmen, hier waren die Einstellungen 24mm bei f2,8 und ISO 4000, 15 Sekunden. Ich probierte etwas herum mit einem senkrechten Panorama, das Ihr oben im Text schon gesehen habt. Das ist nicht einfach, denn bei der stockfinsteren Nacht fehlt einem irgendwie die Orientierung, wie die einzelnen Bilder übereinander gestapelt werden können. Aber es hat ja funktioniert. Dann experimentierten Jürgen und ich mit Lichtspots. Und so vergingen im Handumdrehen zweieinhalb Stunden. Meine Kamera verrichtete zuverlässig und konstant ihre Arbeit – das gefällt mir sehr! Hier ist das Ergebnis:

Viertel nach eins beschlossen wir, zurück zu gehen. Wir hatten genug im Kasten und das Zentrum der Milchstraße war bereits wieder am Untergehen. Die ganze Zeit rauschten immer wieder Sternschnuppen über den Himmel und der Mars stand erstaunlich hell  am Himmel. Und es war uns kalt trotz Daunenjacke. Wie wir hinterher feststellten, hatte es etwa 7 Grad. Ganz schön frisch!  Weitere Bilder über die Milchstraße gibt es hier.

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