Fotografie, Unterwegs
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Fotoprojekt Flüsse für die SV

Vor Sonnenaufgang - der Blick über den Rhein und Rüdesheim

Am 8. Mai hat die SV SparkassenVersicherung ihre Geschäftsberichte veröffentlicht – auch in diesem Jahr habe ich die Fotos für die Titel gemacht. Das war durchaus eine Herausforderung. Das Thema war Flüsse als Lebensadern, die Motive sollten also die Flüsse in oder in der Nähe der sechs Standorte der SV zeigen und auch als Fluss erkennbar sein. 

Klingt zunächst einfach, aber ist es nicht. Denn wenn ich dann am Rhein stehe, dann sieht der eher aus wie ein riesiger See und nicht wie ein Fluss. Eine Drohne hätte das Problem gelöst, aber die habe ich nicht. Der Einsatz ist in der Stadt sowieso eher problematisch. Also waren andere kreative Lösungen gesucht. Wie immer habe ich mir ausgiebig Gedanken gemacht und mir Locations und Zeiten erschlossen.

Dazu noch fanden die Aufnahmen im Winter statt, zwischen meiner Rückkehr Mitte November und der Deadline Anfang März. Das Wetter war diesen Winter hier erstaunlich schlecht, mehr als genug einfach nur graue Tage. Gerade am Anfang des Winters habe ich mich manchmal gefragt, ob wir die Sonne nochmal sehen. Dann mussten die Fototermine auch noch in den normalen Verlauf meines Vollzeit-Jobs eingefügt werden. So hatte ich zu den Zeiten, als es Eis und Schnee hatte keine Zeit. Das hätte ich gerne festgehalten, aber es war schlichtweg nicht möglich.

Fotografieren bei Kälte

Fotografieren bei Kälte

Dabei ist der Winter keine schlechte Zeit. Auch wenn die Umgebung dann nicht grün ist. Nur so konnte ich Aufnahmen machen, die mit den Blättern an den Bäumen nicht möglich gewesen wären. Letztlich konnte ich doch zehn Motive umsetzen. Über die Motive habe ich einen kleinen Film gemacht, den Ihr hier auf den Seiten unseres Magazins findet. Dort sind auch die Beschreibungen der einzelnen Locations. 

Ich möchte Euch aber noch etwas umfangreicher darüber berichten, wie die Fotos entstanden sind und ein paar andere Fotos zeigen. Die letztlich verwendeten Motive findet Ihr auf der Website und in dem Film – beides unter dem Link siehe oben.

Stuttgart am Neckar

Das Hauptmotiv in Stuttgart habe ich am 27. Dezember an einem eiskalten Morgen gemacht. Der Blick vom Burgholzhof über das Neckartal ist einfach toll, kurz vor Sonnenaufgang leuchtete der Neckar in zarten Rot und Orangetönen. Im Hintergrund sieht man die Schneefelder an den Hängen der Schwäbischen Alb und der Weihnachtszirkus im Vordergrund gibt der Szenerie etwas heimeliges. Das Motiv von dort oben kenne ich in fast allen Facetten, da die Location nicht weit weg von der SV ist – und vom nächsten Biergarten 😉 Aber auch der Blick Richtung Remstal lohnt sich.

Sonnenaufgang über Stuttgart

Sonnenaufgang über Stuttgart

Gerade Stuttgart ist nicht so einfach, auch wenn es möglich ist, von oben zu fotografieren. Bei manchen Perspektiven fehlt einfach die Würze. Die weiteren Stuttgart-Motive sind dann an einem Abend direkt am Neckar entstanden, praktisch direkt an der B10. Hier treffen so viele Verkehrswege aufeinander, die B10/14 ist eine der Hauptschlagadern des Stuttgarter Verkehrs, dann der Fluss mit seiner Schleuse und im Hintergrund die alte und die neue Bahnbrücke. Dazwischen liegt das Mineralbad Leuze, abendlich beleuchtet wie eine Insel inmitten des rauschenden Verkehrs. 

Der Berger Steg führt über den Neckar flussaufwärts von der Schleuse in Bad Cannstatt

Der Berger Steg führt über den Neckar flussaufwärts von der Schleuse in Bad Cannstatt

Entlang des Neckars Richtung Stadion geht man zunächst am Wasen vorbei, danach kommt eine Teststrecke von Mercedes, über die der lokale Ruderclub eine Brücke gebaut hat, damit sie vom Bootshaus an die Stege im Wasser kommen. Gegenüber ragt der Gaisburger Gaskessel in die Höhe, der größte noch in Betrieb befindliche Scheibengasbehälter in Europa. Scheibengas? Nein, nicht das Gas kommt in Scheiben, sondern es liegt eine gigantische beschwerte bewegliche Scheibe von oben auf dem Gas.

Erfurt an der Gera

Kassel und Erfurt habe ich an einem Tag bereist – am Tag zwischen zwei Schlechtwetterfronten. Bis 50 Kilometer vor Erfurt war ich mir nicht sicher, ob das klappt, dann aber riss der Nebel durch die starken Regenfälle der Vortage auf und die Sonne kam heraus. Puuuh, Glück gehabt. 

In Erfurt spazierte ich durch die morgendliche Stadt und tatsächlich stellten sich die zwei ausgewählten Locations als passend heraus. Mein Ziel war es, den kleinen Fluss Gera, der durch Erfurt fließt, als Vordergrund für die verwinkelten Altbauten einzufangen. Die Gera trägt wesentlich zur der charmanten Atmosphäre Erfurts bei. Ich fand Erfurt schon immer schön, gerade wegen des tollen Bestands an Altbauten in der Innenstadt. Also habe ich mich auf der Brücke platziert und in Richtung des Dämmchens fotografiert. Enten und Menschen bevölkerten die Szene. Und so mancher schaute, was ich denn da so treibe. Wärme an diesem Februarmorgen spendete dann der Besuch der Goldhelm Schokoladenmanufaktur 😉

Kassel an der Fulda

Dann wieder in den Zug, auf nach Kassel. Auch hier war der Weg klar: Die Fulda fließt auf ihren 220 Kilometer die größte Strecke frei mäandernd durch die Landschaft. Urban und begradigt ist sie lediglich auf ihrem Weg durch Kassel. Und selbst da gibt es nur wenige hundert Meter, die tatsächlich städtisch aussehen, denn auch hier ist es entlang der Fuldaauen sehr grün. Das Hiroshima-Ufer war daher Anlaufstelle für mich.

Hiroshima-Ufer mit der Spitzhacke von Claes Oldenburg Kassel

Hiroshima-Ufer mit der Spitzhacke von Claes Oldenburg

Dort musste natürlich die Spitzhacke von Claes Oldenburg in Szene gesetzt werden – das ikonische Motiv an der Fulda, Überbleibsel von der documenta 1982. Als ich dort herumlief auf der Suche nach einer passenden Perspektive, die den Fluss in Szene setzt, sprach mich ein vorbeiradelnder älterer Herr an.

Wie sich herausstellte, hieß der ältere Herr Andrzej Dzierbicki, er nennt sich Vernetzungskünstler und arbeitet an einem interdisziplinären Kunstprojekt zum Thema Wasser im 21. Jahrhundert. Zu diesem gab es in Kassel schon einige Aktivitäten. Unter http://wasserinterdisziplinaer21.eu gibt es weitere Infos. Das passte natürlich perfekt zu dem Ansatz, die Flüsse als Lebensadern der Städte zu porträtieren. Und so wurde ich unversehens Teil eines Kunstprojektes, Andrzej Dzierbicki schnitt Weidenzweige, die wir dann feierlich ausgetauscht haben. Danach radelte er seines Weges und ich ging weiter, um im Abendlicht noch ein paar Flusszenen einzufangen.

Mannheim an Rhein und Neckar

In Mannheim einen Platz für ein Motiv zu bekommen, erforderte etwas Vorbereitung, auch wenn es in Mannheim mit der Mündung des Neckar in den Rhein mehr als genug Flusswasser gibt. Aber es ist sehr viel Industrie und Verkehr und auch nicht alles zugänglich. Letztlich habe ich mich dann für einen Abend am Großkraftwerk in Rheinau entschieden. Meine Perspektive war der Stichkanal, denn die großen Wasserflächen des Rheins geben auf dem Bild nicht mehr das Gefühl eines Flusses wieder.

Ich wollte unbedingt bei Nacht fotografieren, um etwas Stimmung im Bild zu schaffen und nicht die Trostlosigkeit einer solchen industrialisierten Gegend zu zeigen. Denn bei Nacht wirkt eine solche Umgebung mit den Lichtern viel stimmungsvoller: Die gelben Lichter, die die Schienen beleuchteten – es wird hier alles per Zug angeliefert – schufen eine besondere Atmosphäre.

Karlsruhe am Rhein

Das Stadtzentrum von Karlsruhe hat nichts mit dem Rhein zu tun. Aber mit der Eingemeindung von Daxlanden und Knielingen und über den Hafen gibt es ja dann doch eine Verbindung der Stadt zum Rhein. Im 19. Jahrhundert wurde der Fluss massiv begradigt, sein heutiges Bett ist alles andere als natürlich. Früher mäanderte er durch das Rheintal, heute zeugen nur noch die verlandenden Altarme davon, wie er früher aussah. Die Altarme sind Biotope geworden, in denen sich seltene Tiere und Pflanzen ansiedeln. Sie sorgen auch dafür, dass immer genug Wasser in der Luft ist – hier gibt es häufig Nebel, während ein paar Kilometer den Berg hinauf der Schwarzwald von wunderbarem Sonnenschein verwöhnt wird.

Nebel im Hafen von Karlsruhe

Nebel im Hafen von Karlsruhe

So war es auch an dem Tag, an dem ich am Rhein war. Der Nebel sollte sich zwar auflösen, aber Pustekuchen, er hielt sich hartnäckig. Und kalt war es dort auch noch. Ich war vor Sonnenaufgang im Hafen und da es Sonntag war, lag alles in tiefster Ruhe. Mit etwas Glück fuhr ich auf einen Hof einer Firma, wo das Tor geöffnet war. Dort ergab sich eine wundervolle Perspektive mit einem schönen Farbkontrast zwischen dem warmen Orange der Lampen und der kühlen Farbtemperatur der blauen Stunde.

Aber das war nicht genug, ich fuhr weiter zum Ölhafen, der in einem kleinen Stichkanal des Rheins liegt. Hier war der Nebel noch dichter und es war eisig. Von den frostigen Tagen zuvor war alles Wasser in den Auen des Rheins noch gefroren. Einen Teil der Winterbilder habe ich schon hier gezeigt. Da der Nebel nicht verschwinden wollte, musste es eben Nebelfotos geben. Ist ja auch ein realistisches Bild am Rhein…

Karlsruhe - am Ölhafen

Karlsruhe – am Ölhafen

Wiesbaden am Rhein

Wiesbaden gab mir die schwierigste Aufgabe auf. Denn dort ist der Rhein tatsächlich ein Strom und es ist praktisch nicht möglich, auf Höhe mit dem Fluss ihn als Fluss abzubilden. Nach langem Hin und Her habe ich mich schließlich dafür entschieden, ein paar Kilometer flussabwärts nach Rüdesheim zu fahren. Ist ja noch Rheingau und Wiesbaden hat sein Herz ja in den Reben des Rheingaus. Auch hier war das Wetter entscheidend. Und endlich passten meine Terminpläne gerade so eben mit dem Wetter zusammen.

Es war wieder grau angesagt, mit ein paar sonnigen Abschnitten – das bedeutete lediglich, dass das Licht von Mittelgrau nach Hellgrau wechselte. Aber es war für den nächsten Morgen zum Sonnenaufgang genau für eine halbe Stunde eine Lücke in Richtung der Sonne vorhergesagt. Manchmal ist es gut, eine präzise Wettervorhersage machen zu können…

Am Abend zauberte die Blaue Stunde tatsächlich noch etwas Farbe in die Szene und die letzten Strahlen der Sonne beleuchteten für einen Moment die Wölkchen in rosa, während der Fluss unten in türkis schimmerte. Das waren die entscheidenden Minuten, Glück gehabt. Die Lichter über dem Rhein Richtung Bingen boten in der folgenden Dunkelheit ebenfalls schöne Motive.

Bingen zur blauen Stunde

Bingen zur blauen Stunde

Am nächsten Morgen nach einer regnerischen Nacht ließ ich mich von Taxi hoch zum Niederwalddenkmal fahren – ich hatte keine Lust, im Dunkeln hochzulaufen. Der Taxifahrer hat mich wohl für etwas spinnert gehalten. Aber als wir oben ankamen, waren schon die ersten Lichtreflexe des Tages zu sehen. In so einer Situation kommt es auf jede Minute an, und so packte ich die Kamera während des Laufens aus. Das war nicht ganz einfach, denn der Boden war leicht überfroren und ganz schön rutschig. Aber mit dem passenden Schuhwerk geht auch das und so konnte ich den rot beleuchteten  Tempel mit dem Morgenrot zusammen ablichten.

Niederwaldtempel Rhein Morgendämmerung

Der Niederwaldtempel in der Morgendämmerung

Es kam tatsächlich alles wie geplant, die Wolkenlücke war genau da, wo sie sein sollte. Aber das war noch nicht alles, mal wieder hatte die Natur eine Überraschung für mich. Der Regen in der Nacht sorgte für Nebel, der über den Rhein waberte.

Sonnenaufgang am Niederwalddenkmal, Rhein

Sonnenaufgang am Niederwalddenkmal

Dann ging langsam die Sonne auf – tatsächlich glutrot, sie verwandelte den Nebel über dem Rhein in rote Zuckerwatte. Sensationell! Ich fotografierte und fotografierte, was für ein Spektakel zwischen Nebel und dramatischen Wolken, diese Farben, ich war komplett im Glück! Was für ein krönender Abschluss dieser manchmal so schwierigen Fotoserie über Flüsse. 

Sonnenaufgang über dem Rhein

Sonnenaufgang über dem Rhein

Übrigens: Das Spektakel von Sonne und Wolken war schlagartig vorbei, als die Sonne höher stieg. Alles lag wieder im Einheitsgrau. Und ich ging zurück nach Rüdesheim zu meinem wohlverdienten Frühstück.

Grauer Tag am Rhein

Nach dem Sonnenaufgang war es vorbei: ein grauer Tag am Rhein

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